In der Nacht nach der dominikanischen Präsidentschaftswahl vom 16. Mai 1978 stand das Land vor einer gefährlichen Machtprobe. Die ersten Ergebnisse deuteten auf einen Sieg des Oppositionskandidaten Antonio Guzmán Fernández hin. Doch noch bevor alle Stimmen ausgezählt waren, drangen Soldaten in die Zentrale Wahlbehörde ein und unterbrachen die Auszählung. Hinter dem Eingreifen stand offenbar der Versuch, eine Niederlage des seit zwölf Jahren regierenden Präsidenten Joaquín Balaguer zu verhindern.
Die Intervention des Militärs drohte den Wählerwillen außer Kraft zu setzen und die Dominikanische Republik erneut in eine schwere politische Krise zu stürzen. Erst 15 Jahre zuvor war der demokratisch gewählte Präsident Juan Bosch durch einen Staatsstreich abgesetzt worden. Auch der Bürgerkrieg von 1965 und die anschließende militärische Intervention der Vereinigten Staaten waren noch fest im kollektiven Gedächtnis verankert.
Diesmal reagierte Washington anders. US-Präsident Jimmy Carter hatte die Achtung der Menschenrechte und demokratischer Verfahren zu einem Leitmotiv seiner Außenpolitik erklärt. Seine Regierung machte der dominikanischen Führung deutlich, dass eine manipulierte Wahl die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten schwer belasten würde. Gemeinsam mit dem Widerstand im Land und dem diplomatischen Druck mehrerer lateinamerikanischer Staaten trug diese Haltung dazu bei, dass die Stimmenauszählung fortgesetzt wurde.
Antonio Guzmán gewann die Wahl. Im August 1978 übergab Balaguer die Präsidentschaft an seinen gewählten Nachfolger – ein Wendepunkt in der Geschichte der dominikanischen Demokratie.
- Die Dominikanische Republik unter Joaquín Balaguer
- Die Rückkehr der Opposition
- Die Wahl vom 16. Mai 1978
- Als Soldaten die Stimmenauszählung stoppten
- Die schnelle Reaktion aus Washington
- Jimmy Carters Menschenrechtspolitik
- Der Druck kam nicht allein aus den USA
- War es tatsächlich ein Staatsstreich?
- Carters Briefe an Balaguer und Guzmán
- Der friedliche Machtwechsel
- Warum das Jahr 1978 bis heute bedeutsam ist
Die Dominikanische Republik unter Joaquín Balaguer
Nach der Ermordung des Diktators Rafael Leónidas Trujillo im Mai 1961 begann für die Dominikanische Republik eine lange Phase politischer Unsicherheit. Der demokratisch gewählte Präsident Juan Bosch wurde bereits im September 1963 vom Militär gestürzt. Der Versuch, ihn 1965 wieder in sein Amt einzusetzen, mündete in einen bewaffneten Konflikt und eine Intervention der Vereinigten Staaten.
Im geschützten Teil lesen Sie …
… warum Teile des Militärs den Wahlsieg Antonio Guzmáns verhindern wollten, wie Washington auf die Unterbrechung der Stimmenauszählung reagierte und weshalb der Machtwechsel von 1978 als Wendepunkt der dominikanischen Demokratie gilt.
- + Joaquín Balaguer und seine zwölf Regierungsjahre von 1966 bis 1978
- + Antonio Guzmán: Der Präsident des demokratischen Machtwechsels
- + Juan Bosch und der Staatsstreich von 1963
- + Der dominikanische Bürgerkrieg von 1965
- + Die US-Intervention in der Dominikanischen Republik 1965
- + Rafael Trujillo und die Folgen seiner Diktatur
- + Geschichte der Demokratie in der Dominikanischen Republik
Quellen und Bildnachweise
Artikelfoto: AlMomento
Quellen:
· U.a. Die amtliche US-Dokumentensammlung Foreign Relations of the United States, 1977–1980
· Tageszeitung Almomento.net
