Zwischen einer kunstvoll verzierten Keramik der Taíno und einem rußgeschwärzten Kochtopf aus einem dominikanischen Bauernhaus scheint auf den ersten Blick eine ganze Welt zu liegen. Die eine gilt als archäologischer Schatz, die andere als einfacher Gebrauchsgegenstand. Doch beide können Teil einer langen Geschichte sein, die von technischem Wissen, erzwungener Anpassung und kultureller Beharrlichkeit erzählt.
Besonders eindrucksvoll zeigen dies die sogenannten potizas: häufig bauchige oder herzförmige Gefäße, deren Oberflächen mit eingeritzten geometrischen Mustern sowie menschlichen, tierischen oder miteinander verbundenen Figuren gestaltet wurden. Sie gehörten zur materiellen Kultur der indigenen Gesellschaften Hispaniolas und dienten nicht nur praktischen Zwecken. Form und Dekor konnten zugleich ästhetische, soziale und symbolische Bedeutung besitzen.
Nach der Ankunft der Europäer verschwand die indigene Töpfertradition nicht plötzlich. Techniken der Tonverarbeitung wurden während der Kolonialzeit weiter genutzt, zugleich aber an neue Bedürfnisse angepasst. Die Gefäße wurden schlichter, ihre Wände häufig dicker und ihre Formen stärker auf das Kochen und Aufbewahren ausgerichtet. Später kamen Einflüsse afrikanischer und europäischer Traditionen hinzu.
Aus dieser Entwicklung entstand das, was heute als kreolische Keramik bezeichnet wird. Ihre unscheinbaren Töpfe sind keine bloßen Haushaltsgegenstände. Sie bewahren Spuren einer über Jahrhunderte gewachsenen dominikanischen Alltagskultur.
- Die potiza als Gefäß und Kunstwerk
- Indigenes Handwerk unter kolonialer Herrschaft
- Keramik für eine veränderte Küche
- Was archäologische Funde aus La Vega zeigen
- Von der indigenen zur kreolischen Tradition
- Afrikanische und europäische Einflüsse
- Ein Kochtopf als historisches Dokument
- Eine über Jahrhunderte bewahrte Erinnerung
- Potizas als heutiges Kunsthandwerk
Die potiza als Gefäß und Kunstwerk
Der spanische Begriff potiza bezeichnet in der Archäologie der Antillen bestimmte keramische Gefäße, die häufig an große Flaschen erinnern. Besonders bekannt sind herzförmige Exemplare mit engem Hals und einer sorgfältig gestalteten Oberfläche. Manche Stücke tragen eingeritzte Linien und geometrische Muster, andere zeigen menschliche, tierische oder hybride Wesen.
Im geschützten Teil lesen Sie …
… wie indigene Techniken die Kolonialzeit überdauerten, weshalb sich Formen und Verzierungen veränderten und was ein rußgeschwärztes Gefäß über die Entstehung der dominikanischen Kultur erzählt.
Potizas als heutiges Kunsthandwerk
Nachbildungen indigener potizas werden heute in der Dominikanischen Republik als dekorative Keramik und Kunsthandwerk angeboten. Die modernen Gefäße greifen typische Formen und Verzierungen archäologischer Vorbilder auf und können ein kulturell interessantes Souvenir sein. Beim Kauf sollte jedoch eindeutig erkennbar sein, dass es sich um eine zeitgenössische Anfertigung oder Replik handelt. Archäologische Originale gehören zum geschützten Kulturerbe und sind keine Reiseandenken.
Weitere typische Souvenirs aus der Dominikanischen RepublikQuellen und Bildnachweise
Artikelfoto: Acento.com.do
Quellen:
· Enciclopedia Dominicana
· Cultura Popular e Identidad Nacional, Dagoberto Tejada Ortiz
· Roberto Valcárcel Rojas: De las potizas indígenas a la cerámica criolla
· ICOM: Herzförmige Potiza der Taíno-Kultur, 11.–15. Jahrhundert
· Museo Arqueológico Regional Altos de Chavón: Potiza oder Taíno-Krug
