Am 7. Mai 1842 erschütterte eines der stärksten historisch überlieferten Erdbeben die Insel Hispaniola. Das Zentrum der Katastrophe lag im Norden, in der Nähe von Cap-Haïtien und der vorgelagerten Île de la Tortue. Cap-Haïtien, Port-de-Paix und weitere haitianische Küstenorte wurden weitgehend zerstört. Ein Tsunami traf Teile der Nordküste und verschärfte die Verwüstung.
Auch der Osten der Insel blieb nicht verschont. In Santiago, Puerto Plata, Monte Cristi und weiteren Orten stürzten Gebäude ein oder wurden schwer beschädigt. Selbst in weiter entfernten Städten war das Beben deutlich zu spüren. Seine Stärke wird heute auf etwa 8,1 geschätzt, doch wie bei allen Erdbeben aus der Zeit vor instrumentellen Messungen bleibt diese Zahl eine wissenschaftliche Rekonstruktion.
Zum Zeitpunkt des Bebens existierte die Dominikanische Republik noch nicht. Der östliche Teil Hispaniolas stand seit 1822 unter der Regierung des haitianischen Präsidenten Jean-Pierre Boyer. Die Katastrophe ereignete sich weniger als zwei Jahre vor der dominikanischen Unabhängigkeit von 1844. Sie gehört deshalb zugleich zur Naturgeschichte und zur politischen Übergangszeit der Insel.
Das Beben von 1842 zeigt besonders deutlich, dass Erdbeben auf Hispaniola keine Staatsgrenzen kennen. Eine Bruchzone im Norden kann Haiti und die Dominikanische Republik gleichzeitig treffen – ebenso wie ein dadurch ausgelöster Tsunami.
Der geschützte Teil ordnet …
… die Zerstörungen auf beiden Seiten Hispaniolas, den ausgelösten Tsunami und die bis heute bestehenden wissenschaftlichen Unsicherheiten ein.
- + Warum die Dominikanische Republik ein Erdbebenland ist
- + Naturgefahren in der Dominikanischen Republik
- + Das Erdbeben von 1562: Als Santiago und La Vega neu entstanden
- + Historisches Erdbeben und der Tsunami vom 4. August 1946
- + Das Erdbeben von Puerto Plata 2003
- + Das Erdbeben von Haiti 2010 und die Dominikanische Republik
- + Zwischen Gebirge und Meer – Geografie und Klima der Dominikanischen Republik
Quellen und Hinweise
Foto: © domrep.guide · Frank Marenbach
Die Angaben beruhen unter anderem auf den historischen Datenbanken der NOAA, Veröffentlichungen des dominikanischen Erdbebeninstituts und wissenschaftlichen Modellierungen des Bebens und seines Tsunamis. Bei Magnitude, Bruchzone und Opferzahlen bestehen weiterhin Unsicherheiten.
